Hobrechtsfelde auf dem Weg zu nachhaltiger Energieversorgung

Denkmalschutz und Nutzung erneuerbarer Energien unter einem Dach

Das Dorf Hobrechtsfelde
Das Dorf Hobrechtsfelde, ein ehemaliges Stadtgut Berlins, ist ein Ortsteil der Gemeinde Panketal. Es ist als ca. 800 m langes Straßendorf mit beidseitiger Bebauung angelegt. Die dazugehörigen Grundstücke wurden und werden als Hobby- und Gartenflächen genutzt.
In den ca. 25 Gebäuden mit derzeit etwa 70 Wohnungen und fünf Gewerbeeinheiten leben ungefähr 170 Bewohner.
Ende 2009 erwarb die Berliner Wohnungsbaugenossenschaft Bremer Höhe eG. einen Großteil, der unter Denkmalschutz stehenden Häuser des ehemaligen Stadtgutes.

Foto: Luftbild von Hobrechtsfelde. (Quelle: http://maps.google.de/)

 

Die Herausforderung

Im Rahmen dieses Eigentumserwerbs beabsichtigt die Genossenschaft das Gebäudeensemble energetisch zu sanieren und die Wärme- und Stromversorgung  aus regenerativen Energiequellen abzusichern. Hier besteht ein besonderer Anspruch, die historische Bedeutung Hobrechtsfeldes und die zukünftige autarke Versorgung des Ensembles aus erneuerbaren Energien zu verbinden.
Die Modernisierung des Ortes unter ökologischem Aspekt soll im Einklang mit der Revitalisierung einiger historischer Funktionen Hobrechtsfeldes, die in den Jahren seit 1990 verloren gegangen sind, erfolgen. Ein Schwerpunkt dabei soll das Anschaulichmachen von Kreislaufprozessen bei der Nutzung dieser Ressourcen sein.

Foto: Die Wohngebäude in Hobrechtsfelde müssen denkmalgerecht und energetisch saniert werden.  An einem Gebäude konnte die Sanierung bereits erfolgreich abgeschlossen werden. (Quelle:SKP)

 

Konzept zur nachhaltigen Energieversorgung in Hobrechtsfelde

Im Rahmen der Kampagne „die Zukunft ist ERNEUER:BAR“ des Landkreises Barnim wurde die Bremer Höhe eG. durch das Regionalbüro Barnim in ihrem Vorhaben unterstützt. Im April 2010 konnte das Berliner  Büro für wirtschaftliche Energienutzung (WEN Consulting GmbH, Berlin) mit einer Konzepterstellung beauftragt werden.  Es sollte die Verwendung nicht fossiler Energieträger bei der Wärme- und Stromerzeugung sowie die sinnvolle Nutzung der Abwässer berücksichtigen. Folgende Kernaussagen können aus dem Konzept abgeleitet werden:

Für die Versorgung der Bewohner mit Wärme für Heizung und Warmwasser ergibt sich eine machbare Lösungsvariante. Die Versorgung des Dorfes mit Wärme aus einer Biomassefeuerung über ein Nahwärmenetz ist machbar. Es wurde ein stufenweiser Ausbau des Netzes vom Anschluss der großen, bisher leer stehenden Gebäude in der Dorfmitte nach Sanierung als erste Ausbaustufe, und die Ausweitung des Netzes auf die bewohnten kleineren Gebäude in weiteren Stufen betrachtet. Es zeigt sich, dass eine Versorgung über Biomasse bis zu einem Versorgungsgrad von 75% wirtschaftlich ist. Wird dieser Anschlussgrad erreicht würden im Ort 65% weniger CO2-Emissionen anfallen, als bisher.

Für die Erzeugung einer Strommenge aus erneuerbaren Energien, die dem Verbrauch Hobrechtsfeldes entspricht, findet sich dagegen keine wirtschaftlich machbare Lösung.
Geeignete Dachflächen für die Stromerzeugung aus Sonnenstrahlung (Photovoltaik) sind wegen denkmalrechtlicher Beschränkungen nicht ausreichend vorhanden. Der Ort verfügt über kein Windeignungsgebiet. Anlagen zur Stromerzeugung aus thermodynamischen Prozessen sind in der erforderliche Leistungsgröße am Markt nicht verfügbar (ORC), technisch nicht ausgereift (Holzgasmotor, Stirlingmotor mit Holzfeuerung), oder in Kombination mit der zentralen Holzfeuerung nicht wirtschaftlich (motorische BHKW betrieben mit Biomethan oder Pflanzenöl).

Eine auf Biogas basierende Vorzugsvariante, die prinzipiell technisch und wirtschaftlich machbar wäre und beide Ziele (Stromerzeugung und Wärmeversorgung) erreichen ließe, ist aus genehmigungsrechtlichen Gründen nicht machbar.
4,5 km von Hobrechtsfelde entfernt wird eine Biogasanlage errichtet, für die noch kein Wärmekonzept besteht. Um die bei der Biogasverstromung anfallende Abwärme nutzbar zu machen,
müsste eine Rohbiogasleitung vom Standort der Anlage bis Hobrechtsfelde gebaut werden. Für diesen Bau müsste ein Planfeststellungs- oder Plangenehmigungsverfahren durchgeführt werden, das nach unserer Kenntnis Jahre in Anspruch nimmt. Damit käme diese Lösung zu spät.

Untersuchung einer dezentralen Abwasserbehandlungsmöglichkeit.
Es wurde untersucht, die Hobrechtsfelder Abwässer vor Ort in Pflanzenkläranlagen zu reinigen und das geklärte Wasser in die Natur zurückzuführen. Hierfür wurde eine wirtschaftliche Lösung mit fünf Gruppenkläranlagen gefunden.

Das gesamte Konzept können Sie sich als PDF herunterladen.

Foto:  Konzept zur nachhaltigen Energieversorgung für Hobrechtsfelde abgeschlossen.

 

Rückblick

Jul 2010 
Sanierungsbeginn weiterer Wohnhäuser

Jun 2010  
Abschlusspräsentation „Nachhaltiges Energiekonzept Hobrechtsfelde“
Öffentliche Vorstellung des Energiekonzeptes im Paul-Wunderlich-Haus, Eberswalde.
Die energetische Sanierung des ersten Wohnhauses konnte unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes abgeschlossen werden.

Mai 2010
Zwischenpräsentation des Konzeptes zur Energieversorgung Hobrechtsfelde auf Basis erneuerbarer Energien.

Apr 2010  
Arbeitstreffen im Rahmen der Konzepterarbeitung.

Mrz 2010  
Bietergespräche zur Vergabe des ausgeschriebenen Konzeptes für die energetische  Versorgung des Ortes Hobrechtsfelde. Das Berliner Büro für wirtschaftliche Energienutzung (WEN Consulting GmbH) erhält den Zuschlag.

Feb 2010  
Vergabebekanntmachung für die Erarbeitung eines nachhaltigen 
Energieversorgungskonzeptes auf Basis erneuerbarer Energien für den Ort 
Hobrechtsfelde (Gemeinde Panketal).

Jan 2010 
Ausschreibungsvorbereitung für das Energiekonzept in Hobrechtsfelde
durch das Arbeitsgremium: Bremer Höhe eG., Untere Denkmalschutzbehörde Landkreis Barnim, Architekturbüro Schwarz, Kuntze & Partner.

Dez 2009 
Informationsveranstaltung im Ratssaal der Gemeinde Panketal
Information betreffender Institutionen im Landkreis Barnim und der Gemeinde Panketal.

Nov 2009 
Auftaktgespräch mit der Wohnungsgenossenschaft Hobrechtsfelde bzgl. einer alternativen Energieversorgung des Ortes im Regionalbüro Barnim.


Kontakt

Regionalbüro Barnim
Ina Bassin
Fachlich beratende Begleitung
Tel.: 03334-498 532
Mail: info@erneuerbar.barnim.de

 

Wohnungsbaugenossenschaft Bremer Höhe eG.
Ulf Heitmann
Vorstand
Schönhauser Allee 59 b
10437 Berlin
Tel.: 030-446 776 0
Mail: info(at)bremer-hoehe.de
www.bremer-hoehe.de

Foto: Stapel

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