Erster autarker Hof im Barnim
Der Hiram Haus e.V. in Neudorf/ Klosterfelde
Der Hiram Haus e.V. ist eine therapeutische Einrichtung für suchtkranke Menschen und betreibt in Berlin und Brandenburg verschiedene Standorte. Die Einrichtungen in Brandenburg befinden sich überwiegend auf einem ehemaligen „Berliner Stadtgut“, die Anfang des 20. Jhd. auch zur Selbstversorgung der Stadtbevölkerung mit frischem Gemüse genutzt wurden. Der Hiram-Haus Neudorf e.V. knüpft an die Ideen der regionalen Selbstversorgung an.
Selbstversorgung mit Lebensmitteln
Auf ca. 50 ha landwirtschaftlicher Fläche wird Futter für die Tiere und Feldfrüchte zum Eigenbedarf der 75 Bewohner der Einrichtung angebaut. Gewirtschaftet wird nach der Demeter-Richtlinie. Zudem werden alte, vom Aussterben bedrohte Rinder-, Schaf- und Schweinerassen gehalten.
Wärmeversorgung durch dezentrale Holzheizanlagen
Auch energetisch ist die Einrichtung in Neudorf bereits autark. Drei Holzvergaserkessel (1x78 KW, 2x40 KW) und eine Holzhackschnitzelheizung (200 KW) versorgen die Gebäude mit Wärme. Das Holz kommt zum Teil von den Flächen der Berliner Forsten und wird von den Bewohnern geworben und vorbereitet. Auf dem Gelände des Hiram Haus e.V. sorgt ein eigentümlich aussehender Kasten, eine Mischung aus Gewächshaus und Black Box, für die Trocknung des Holzes durch die Kraft der Sonne. Diese solare Trocknung geht auf ein georgisches Patent zurück und lässt das Holz innerhalb einer Woche die Hälfte des gespeicherten Wassers verlieren.
Der Brennstoff Holz ersetzt am Standort Neudorf ca. 170.000 Liter Heizöl pro Jahr, wodurch der Umwelt 530 Tonnen CO2 erspart bleiben.
Energieholz wird selbst angebaut
Seit 2008 erprobt der Verein auf einer Fläche von ca. 14 ha den Anbau von schnell wachsenden Baumarten, um Energieholz zu produzieren. Insgesamt wurden bisher ca. 55.000 Pappeln (auf 5 ha) und Weiden gepflanzt, die voraussichtlich 2012 zum ersten Mal beerntet werden können. Bei Nutzung bzw. Bepflanzung aller 14 ha könnte der gesamte Energiebedarf des Objektes gedeckt werden, was das langfristige Ziel der Neudorfer Einrichtung ist.
Insbesondere gilt es jedoch auch, ertragreiche Ernten ohne massiven Einsatz von Herbiziden und Monokultur zu erreichen. Es sollen Erfahrungen mit naturverträglichen Anbaumethoden von Energiewäldern gesammelt und berücksichtigt werden.
Solaranlagen produzieren mehr Strom als verbraucht wird
Zwei Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 15 und 85 KWp erzeugen auf den Dächern ehemaliger Stallungen mehr Energie als am Standort verbraucht wird. Die 85-KW-Anlage speist seit Juni 2010 ins Netz ein und die Planungen gehen noch weiter. Zwei weitere Dächer der Einrichtung eignen sich ebenfalls für die Erzeugung von Solarstrom und sollen künftig mit Solarmodulen nachgerüstet werden.
Die CO2-Einsparung durch die Erzeugung von Solarstrom beträgt jährlich ca. 56 Tonnen.
Solarthermie ist ebenfalls Teil des Energiekonzeptes. Auf einer Fläche von 6 m² erwärmt seit nunmehr 14 Jahren eine kleine Anlage Wasser für Heizung und Dusche.
Pflanzen klären die Abwässer dezentral
Insgesamt leben etwa 75 Personen in Neudorf, nach der geplanten Erweiterung werden es ca. 110 sein. Diese Bewohnerzahl entspricht etwa der Bevölkerungszahl des Ortes um 1900. Die Abwässer der Bewohner werden damals wie heute dezentral behandelt und der Landschaft wieder zugeführt. Heute sorgt ein ca. 300 m² großes Pflanzenbeet für „frisches“ Wasser.
Kontakt
Hiram Haus Neudorf e.V.
Uwe Fleischer
16348 Neudorf/ Klosterfelde
Tel.: 030-788 3053
Mail: neudorf@hiram-haus.de
Web: www.hiram-haus.de










