Von der Wärme im Boden zur Kilowattstunde
Fortschritte im Geothermieforschungslabor Groß Schönebeck
Verstärkte Bautätigkeiten auf dem Gelände der Geothermieforschungsbohrung des Deutschen GeoForschungsZentrums (GfZ Potsdam) in Groß Schönebeck wiesen in den letzten Monaten auf nächste Schritte bei der Erforschung der geothermischen Energieerzeugung hin. Am 11.8.2010 war es so weit und das Geothermieforschungsteam um Dr. Ernst Huenges (Projektleiter und Leider Internationales Geothermiezentrum GFZ) lud zu einer Informationsveranstaltung über die ersten Meilensteine und die Herausforderungen der Zukunft des Projektes ein.
Zwei Bohrungen in die Tiefe von 4.500 Metern sind abgeschlossen und es konnte erstmalig thermales Wasser mit einer Temperatur von 150 °C zu Tage gefördert werden. Beste Voraussetzungen für ein Kommunikationsexperiment, wie es im Fachjargon heißt. Gemeint ist die Erzeugung eines Wasserkreislaufes: warmes Wasser wird nach oben gefördert, die Wärme wird über Tage entzogen und das abgekühlte Wasser durch eine zweite Bohrung wieder in die Tiefe gebracht. Dieses Experiment wird in den nächsten Monaten starten.
Zeitgleich schreiten die Arbeiten für den Bau eines Kraftwerkes voran, das die Wärmeenergie in Strom umwandelt. Eine Halle, die die gesamte Kraftwerkstechnik beherbergen wird steht bereits. Die Inbetriebnahme des Kraftwerkes ist für 2011 geplant und der gesamte Prozess, von der Förderung aus dem Boden bis zur Umwandlung der Wärmeenergie in Strom, kann dann genauen Analysen unterzogen werden.
Ziel ist es am Standort Groß Schönebeck ein Demonstrationskraftwerk zu entwickeln, dessen Technik und Prozesse auf andere Regionen übertragbar sind. Die Chancen stehen gut, denn das gesamte Norddeutsche Becken, das sich von Polen bis in die Niederlande erstreckt weist ähnliche Bodenstrukturen auf wie der Barnim.
Foto 1: Geothermiebohrung (Vordergrund) und Halle für die Kraftwerkstechnik (Hintergrund) sind errichtet. (Quelle: RB)
Foto 2: Eine Informationsveranstaltung des Deutschen GeoForschungsZentrums Potsdam für Kooperationspartner fand am 11. August 2010 in der neugebauten Halle am Standort Groß Schönebeck statt: Prof. Reinhard Hüttl, Vorstand Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ), Hr. Ullrich Bruchmann, Vertreter Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Dr. Ernst Huenges, Projektleiter Geothermie am GFZ und Uwe Schoknecht, Bürgermeister der Gemeinde Schorfheide (Quelle: GFZ Potsdam)
Nähere Informationen entnehemen Sie dem Faltblatt des Deutschen GeoforschungsZentrums (PDF).
Kontakt
Helmholtz-Zentrum Potsdam
Deutsches GeoForschungsZentrum
Projektleitung: Dr. Ernst Huenges
Mail: ernst.huenges@gfz-potsdam.de
Telegrafenberg
14473 Potsdam
www.gfz-potsdam.de
Geothermie-Forschungsbohrung in Groß Schönebeck
- Quelle: GFZ Potsdam
Pilotvorhaben in der geothermischen Technologieentwicklung Europas im Barnim
In der Gemeinde Schorfheide werden Probebohrungen ins Innere der Erde vorgenommen um mit Hilfe der Erdwärme Strom erzeugen zu können.
Zur Erzeugung von Strom aus Erdwärme werden Temperaturen von mehr als 150 Grad Celsius und ein nachhaltiger Wasserkreislauf benötigt. Dazu durchströmt Wasser das heiße Gestein in ca. vier Kilometern Tiefe, nimmt dessen Wärme auf und transportiert sie zu den Bohrungen. Damit das Wasser ungehindert zirkulieren kann, werden durch sogenannte Stimulationsverfahren künstliche Risse im Gestein erzeugt. Hierzu werden große Mengen Wasser unter hohem Druck über eine Bohrung in die Tiefe verpresst um ein weitverzweigtes Risssystem im Gestein zu erzeugen. Das Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum erprobt diese Technik seit 2002 im Geothermielabor Groß Schönebeck erfolgreich an einer 4309 m tiefen Bohrung. Eine zweite Bohrung soll die langfristige Wasserzirkulation im Untergrund untersuchen. Funktioniert sie stabil, soll eine Demonstrationsanlage Strom erzeugen.
Das Projekt Groß Schönebeck stellt ein wichtiges Pilotvorhaben in der geothermischen Technologieentwicklung Europas dar. Auf Grund der für weite Teile Mitteleuropas typischen geologischen Gegebenheiten ist Groß Schönebeck für die Untersuchungen besonders repräsentativ und erfolgreiche Verfahren können weltweit auf Regionen ähnlicher Geologie übertragen werden.
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