Stromerzeugung im Landkreis Barnim

Im Landkreis Barnim wird im Vergleich zum Bundesdurchschnitt überdurchschnittlich viel Strom aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt. Insbesondere die Windenergie hat seit 1995 einen rasanten Aufschwung genommen. Doch auch die Solarstromerzeugung ist von zunehmender Bedeutung, seit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2004 gibt es hier jährlich Zuwachsraten bei der installierten Leistung von über 30 %. (Quelle: Regionale Planungsstelle Regionalatlas)
Im Jahr 2008 betrug der Anteil Erneuerbarer Energien (EE) an der Stromversorgung bereits ca. 44 %.

 

Windenergie

Mit einem Anteil von 15 % an der deutschlandweit installierten Leistung liegt Brandenburg auf Platz 2 hinter Niedersachsen mit einem Anteil von 26 %. Damit kann Brandenburg als ein klassisches Windenergieland bezeichnet werden.
Im Barnim sind 12 Windeignungsgebiete mit einer Fläche von ca. 941 ha ausgewiesen. Die eingespeiste Leistung durch Windkraftanlagen entspricht einem Anteil von 26,6 % am Endenergieverbrauch (Strom) des Landkreises.
Für das Jahr 2009 konnten für den Barnim 115 Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von 144,1 MW verzeichnet werden.

 

Strom aus Biomasse

Biogas und Holz
Derzeit existieren im Barnim 2 Biogasanlagen (OT Schluft, OT Lichterfelde). An drei Standorten der landwirtschaftlichen Gesellschaft Berliner Stadtgüter Nord KG sind bis Ende 2011 weitere 3 Biogasanlagen à 500 kWel geplant, die auf Basis der anfallenden Gülle in den Milchviehbetrieben arbeiten werden.

Anlagenstandorte Biogas
Schorfheide OT Lichterfelde, 500 KW (Mehr…)
Schorfheide OT Schluft, 500 KW (Mehr…)

Ein verstärkter Anbau von Energiepflanzen für die Nutzung in Biogasanlagen ist mittelfristig jedoch nicht zu erwarten, da die bisherigen Erträge eher der Biokraftstoffherstellung in den Anlagen im LK Uckermark dienen. Allerdings sind im LK Barnim große Potenziale für die Nutzung von Gülle bzw. Geflügelkot aus Viehhaltungsbetrieben identifiziert worden, die eine Biogaserzeugung in Verbindung mit Reststoffen aus Kommunen (z.B. Grünschnitt) und der Lebensmittelindustrie zulassen.
Insgesamt könnte eine Biogaskapazität von über 6,9 m³ pro Jahr erreicht werden. Dabei spielen vor allem flächenungebundene Reststoffe aus der Tierhaltung sowie kommunale Grünschnittabfälle und Reststoffe der Lebensmittelindustrie eine große Rolle. Laut Aussagen des Energieatlasses der Regionalen Planungsstelle Barnim-Uckermark ergibt sich für den Landkreis Barnim ein Potenzial von 12 Anlagen mit einer durchschnittlichen Größe von 500 kWel. 
Im Landkreis Barnim werden 2 große Biomasseheizkraftwerke betrieben, die mit einer insgesamt installierten Leistung von 25 MW 20%  des Endenergieverbrauchs (Strom) im Landkreis Barnim decken. 

Anlagenstandorte Biomasseheizkraftwerk

BioPower Klosterfelde GmbH, Wandlitz OT Klosterfelde, 5 MW (Mehr…)

HOKAWE, Eberswalde, 20 MW (Mehr…)

 

 

Solarenergie

Mit einer mittleren jährlichen Sonnenscheindauer von 1.742 Stunden (Mittelwert der Periode 1991 - 2006 der Station Angermünde, DWD 2007) gehört der LK Barnim zu den sonnenreicheren Regionen in Deutschland, wodurch die Installation von Solaranlagen durchaus effizient ist. An einem klaren Sonnentag strahlt die Sonne bei uns etwa 1.000 Watt pro m² ein, was der Leistung einer mittleren Kochplatte entspricht. Ein Solarmodul von 1 m² leistet unter diesen Bedingungen etwa 120 Watt.
Aufgrund dieser Sonneneinstrahlung verfügt der LK Barnim über ein ausreichendes Potenzial zur Nutzung der Solarenergie in Form von Photovoltaik (PV) und Solarthermie. Das theoretische Potenzial wurde von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde mit einer Höhe von 56.000 MWh/ Jahr ermittelt.
Mit Stand 2009 sind im Barnim 591 PV-Anlagen mit Leistungen zwischen 0,7 und 799 kW installiert. Die gesamte installierte Leistung beläuft sich auf 6,2 MW und hat damit einen Anteil am Endenergieverbrauch (Strom) des Landkreises von 0,4%.


Prognose 2010
Für das Jahr 2010 ist mit einer starken Erhöhung der Leistung zu rechnen. Aufgrund der angekündigten Änderung bei der Einspeisevergütung wurden in der ersten Jahreshälfte 2010 zahlreiche Anlagen realisiert, von denen die größte Anlage mit einer installierten Leistung von 24 MW einspeist. Es ist von einer Verfünffachung der installierten Leistung für 2010 auszugehen. Der Anteil der Solarenergie am Endenergieverbrauch stiege damit von 0,4% auf ca. 2%.

 

Geothermie

Brandenburg verfügt über weit verbreitete Vorkommen hydrothermaler Geothermie und ein erhebliches technisches Know-How in diesem Bereich. Hydrothermale Systeme nutzen tief liegende durchlässige wasserführende Schichten hoher Temperaturen, die nicht nur im Land Brandenburg weit verbreitet sind. Das gesamte Norddeutsche Becken, es erstreckt sich von Polen bis in die Niederlande, weist ähnliche Gesteinsformationen in der Tiefe auf.

Der Barnim liegt mitten in geeignetem und geologisch gut erkundetem Gebiet. Zwei Erlaubnisfelder ermöglichen hier die Investition in die Erprobung der tiefengeothermischen Energienutzung.

Am Standort Groß Schönebeck in der Gemeinde Schorfheide arbeitet das GeoForschungszentrum Potsdam am ersten Geothermiekraftwerk für den Barnim. Die für Forschungszwecke errichtet Pilotanlage soll neue Verfahren zur Erschließung der Erdwärme für die Stromerzeugung entwickeln und dient als Versuchslabor für wissenschaftliche Experimente und Messprogramme.

Erlaubnisfelder
230 km², Finowfurt, Gemeinde Schorfheide
1600 km², Groß Schönebeck, Gemeinde Schorfheide (Mehr…)

 

Wasserkraft

Die Wasserkraft nimmt im Landkreis eine untergeordnete Rolle bei der Energiebereitstellung aus erneuerbaren Energien ein. Nichtsdestotrotz wurden und werden die Möglichkeiten, die sich an den Staustufen entlang des Finowkanals bieten, genutzt.
Derzeit existieren 2 Wasserkraftanlagen (Stecherschleuse, Schöpfurther Schleuse) mit einer insgesamt installierten Leistung von 190 kW. Fünf weitere Anlagen, mit denen sich die Leistung auf 480 kW installierter Leistung erhöhen wird, befinden sich in der Planung. Als weitere Standorte für Wasserkraftanlagen kommen die Abschnitte Drahthammer, Kupferhammer, Stadtschleuse Eberswalde, Ragöse und Liepe in Frage.

 

Wärmeerzeugung im Landkreis Barnim

Foto: www.heimwerker-tipps.net

Mit Stand 2008 nimmt die Wärmeenergieerzeugung aus erneuerbaren Energien einen Anteil von 7% am Endenergieverbrauch im Bereich Wärme im Landkreis ein.  Der Bereich der Wärmeenergieerzeugung muss und wird in den nächsten Jahren ein zentrales Thema im Landkreis Barnim sein.

Eine kontinuierliche Verbesserung der Bilanz  ist in den nächsten Jahren zu erwarten, da zahlreiche Maßnahmen, z.B. energetische Sanierungen aus Mitteln des Konjunkturpaketes II und der Bau von Biogasanlagen mit einem Wärmenutzungskonzept die Bilanz positiv beeinflussen.

Daten zur Wärmeversorgung mit regenerativen Energien liegen jedoch nur in geringem Umfang vor, da keine gesetzliche Meldepflicht besteht.

 

Heizen mit Holz

Insbesondere kleine und mittlere Holzheizanlagen im Haushaltsbereich, die mit Scheitholz betrieben werden, sind im Barnim häufig anzutreffen. So sind nach einer Untersuchung an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde im Landkreis Barnim 16.065 Holzheizanlagen installiert, wovon knapp 14.000 Anlagen eine installierte Leistung im Bereich unter 15 kW aufweisen.

Auch im Nichtwohnbereich stellt das Heizen mit Holz eine Alternative zur herkömmlichen Versorgung mit Gas dar. So werden bereits verschiedene öffentliche Einrichtungen über eine Holzpellets- oder Holzhackschnitzelheizung versorgt. Beispiele können Sie der nebenstehenden Grafik entnehmen.

 

Heizen mit Solarenergie

Zum Bestand der solarthermischen Anlagen im Barnim kann derzeit keine Aussage getroffen werden, da die vorhandenen Anlagen nicht erfasst werden.

Nach einer veröffentlichten Statistik des Bundesverbandes für Solarwirtschaft beträgt der bundesdeutsche Anteil der Solarthermie am Wärmeverbrauch unter 1%. Nach Hochrechnungen soll dieser Anteil bis 2050 auf 30% steigen.
2009 sind in Deutschland ca. 150.000 Anlagen (rund 1.100 MW) neu installiert worden. Das entspricht einer Steigerung von 8%.
Für den Barnim kann nach einer Hochrechnung von ca. 1.400 neuen Anlagen ausgegangen werden, mit denen ungefähr 900 t CO2 eingespart werden konnten.

 

 

Wärme durch Geothermie

Die oberflächennahe Geothermie ist nahezu standortunabhängig im Festgestein und im wassergesättigten Lockergestein einsetzbar. Die geologischen Standortbedingungen mit ihren eiszeitlichen Ablagerungen gelten dabei als sehr gut geeignet für die oberflächennahe geothermische Nutzung.
Der Bundesverband Wärmepumpe e.V. (BWP) gibt bekannt: 2008 war ein Rekordjahr für die Wärmepumpe. Allein in Deutschland wurden über 60.000 Wärmepumpen verkauft. Besonders stark stieg der Anteil der Luft/Wasser-Wärmepumpen - um mehr als 50 Prozent auf über 28.000. Insgesamt stiegen die Verkaufszahlen in 2008 im Vgl. zu 2007 um 39%.
Ein Trend hin zur Wärmepumpentechnik ist auch im Barnim zu verzeichnen, der sich bspw. in den eingereichten Förderanträgen bei der Kreisverwaltung Barnim widerspiegelt. Unter 53 beantragten Anlagen wurden allein 43 Wärmepumpen bewilligt. Auch im Neubau von Einfamilienhäusern wird der Wärmepumpentechnik Vorrang gewährt. Im Landkreis Barnim wurden im Zeitraum von Mitte 2008 bis Mitte 2009 ca. 500 Bauanträge gestellt. In rund der Hälfte der neu errichteten Eigenheime sorgt Energie aus der Erde für warme Räumlichkeiten.

 

Foto: Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz

Bundesumweltminister Norbert Röttgen übergibt Landrat Bodo Ihrke den Preis "Kommunaler Klimaschutz 2011"

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Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Projektträger in der Forschungszentrum Jülich GmbH

Landkreis Barnim