Erster Schritt zum Energiedorf Brodowin umgesetzt
Neue Solarstromanlage deckt gesamten Energiebedarf des landwirtschaftlichen Betriebes.
Ein erster Schritt in Richtung Energiedorf Brodowin ist getan. In der 450-Einwohner-Gemeinde konnte am 25. August 2010 die erste betriebseigene Solarstromanlage in Betrieb genommen werden. Die 2000 m² große Solaranlage deckt mit einer Leistung von 246 kWp den gesamten Energiebedarf des landwirtschaftlichen Betriebes und immerhin 6% des Strombedarfes des gesamten Dorfes.
Mit vereinten Kräften wird daran gearbeitet, die benötigte Strom- und Wärmeenergie des Landwirtschafsbetriebes auf Basis erneuerbarer Energien bereitzustellen und im Ort selbst zu organisieren. Ein Baustein stellt die Nutzung lokal verfügbarer Ressourcen aus der Landschaftspflege und den Waldbeständen des Ökodorf-Betriebes dar.
„Mit dieser Anlage können wir in den nächsten Jahren schon einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu einem klimaneutralen Brodowin leisten.“, so Ludolf von Maltzan, Geschäftsführer des Demeter-Betriebes.
Anlagendaten
Die Anlage produziert Strom für 550 Kühlschränke, die z.B. die frische Brodowiner Milch ein Jahr lang kühl halten können.
Installierte Leistung
246 KWp
1.330 Module à 185 W
Monochristaline Module
CO2-Einsparung: 140 t/ Jahr
Dachfläche: 2.000 m²
Dach Jungviehstall
Dach Technikhalle
Planung: Solarprojekte GmbH
Bau: WWF-Solar, Eberswalde
Modellprojekt: Energetische Vollversorgung Brodowin
Brodowin – Mehr Wert schöpfen.
Ziel Brodowins ist es, sich beispielhaft als Modellort auf Basis von erneuerbaren Energieträgern mit einer hohen Energieeffizienz nicht nur technisch und wirtschaftlich, sondern auch umweltfreundlich und sozial weiter zu entwickeln. Ziel ist es weiterhin, die im Dorf benötigte Energie an Strom und Wärme mit den zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen in Eigenregie zu produzieren.
Das Vorhaben, wie es in Brodowin geplant ist vereint eine Vielzahl positiver Aspekte, die auch langfristig in der Zukunft gesichert werden können:
Modellcharakter im ländlichen Raum. Das Modellhafte bei der Umsetzung des Vorhabens liegt in der Verbindung zwischen einer naturschutzfachlichen Landschaftspflege im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und einer klimaverträglichen Energieversorgung in eben diesem sensiblen Naturraum.
Versorgungssicherheit im ländlichen Raum. Das Vorhaben ist in der Lage zu demonstrieren, wie sich ein Dorf unabhängig und selbstorganisiert, dezentral mit Energie versorgen kann. Dezentrale Energieversorgung gilt als zukunftsweisendes Konzept ländliche Räume am Leben zu erhalten.
Kommunaler Klimaschutz. Die Umsetzung des Vorhabens leistet einen großen Beitrag im Bereich des kommunalen Klimaschutzes. Durch die Umstellung der Energieversorgung können in Brodowin pro Jahr ca. 4.000 t CO2 eingespart werden. Brodowin wäre zudem die einzige Kommune im Barnim und in Brandenburg, die ihre Energieversorgung auf Erneuerbare Energien umstellt.
Naturschutz und Erhalt der Kulturlandschaft. Die für den Naturschutz relevanten Landschaftspflegemaßnahmen werden mit einer energetischen Verwertung der Landschaftspflegeabfälle kombiniert. Durch die Pflege kann die Kulturlandschaft mit ihren Flurgehölzen erhalten und die naturschutzfachliche Wirkung verbessert werden.
Arbeitsplätze. Bei der Umsetzung des Vorhabens kann mit der Schaffung und dem Erhalt von Arbeitsplätzen gerechnet werden. Gerade in den Wintermonaten, in denen ein Arbeitskräfteüberhang in der Landwirtschaft besteht, kann das neue Betätigungsfeld der Landschaftspflege und Holzhackschnitzelproduktion eine ganzjährige Beschäftigung von Arbeitskräften gewährleisten.
Stärkung der Gemeinschaft. Das Vorhaben ist ein Gemeinschaftsprojekt der Brodowiner Bürger und ansässigen Betriebe. Die Durchführung von Gemeinschaftsprojekten zeigt, dass es die Beteiligten auch langfristig verbindet und zukünftiges Engagement der Beteiligten fördert.
Die Zukunft: Vollversorgung (Strom und Wärme) des Dorfes mit Erneuerbaren Energien
Technik: Als wirtschaftlich sinnvolle technische Umsetzungsvariante konnte die Versorgung durch Holzhackschnitzelverbrennung identifiziert werden. Für den wirtschaftlichen Betrieb der Anlage ist ein Anschlussgrad von 50 % bis 60 % nötig. Für den Anschlusskunden ist ein Umstieg auf die Nahwärmeversorgung günstiger als die momentan installierte Anlagentechnik.
Wärmekunden: Ca. 50 % der erzeugten Wärme werden durch den ortsansässigen landwirtschaftlichen Ökodorf-Betrieb verbraucht. Die anderen 50 % stehen zur Wärmeversorgung der Brodowiner Bürger zur Verfügung. Erste Umfragen (in Bürgerversammlung) haben ergeben, dass das Interesse sich an einer Dorfzentralheizung anzuschließen gegeben ist. Ca. 20 Haushalte haben sich sofort positiv positioniert. Wärmeverträge können zum derzeitigen Stand noch nicht vorgelegt werden.
Holzhackschnitzelgewinnung: Nach einer ersten Schätzung werden pro Jahr ca. 5.000 srm/a benötigt. Die Hackschnitzel können in direktem Umfeld Brodowins aus Privatwaldbeständen sowie aus der Landschaftspflege generiert werden. Der im Ort ansässige Landwirtschaftliche Betrieb verfügt zudem über die technischen und räumlichen Voraussetzungen zur Gewinnung und Lagerung der Holzhackschnitzel. Eine detaillierte Studie mit dem Nachweis der langfristig verfügbaren Hackschnitzel konnte im Juli 2009 abgeschlossen werden.
Brodowin – Ökologisches Engagement seit über 20 Jahren
Das 491-Seelendorf Brodowin im Landkreis Barnim kann bereits auf eine lange Vergangenheit im Bereich des ökologischen Engagements zurück blicken. Seit Beginn der 80er Jahre beschäftigen sich die Barnimer Bürger aktiv mit der Gestaltung einer umweltverträglichen Zukunft in ihrem Dorf und haben es geschafft diverse Gemeinschaftsprojekte umzusetzen.
So standen auch die Brodowiner nach der Wende vor der Aufgabe eine neue Perspektive zu entwickeln. Die ökonomische Basis einer zukunftsfähigen Entwicklung sollte eine naturverträgliche Landwirtschaft bilden. Die Mehrheit der Landeigentümer und ehemaligen LPG-Bauern entschlossen sich für einen gemeinsamen ökologischen Weg. Somit ist die ehemalige LPG mit 1.200 ha heute einer der größten Demeter-Betriebe Deutschlands.
Ökologischer Landbau und der sich etablierende umweltverträgliche Tourismus sind inzwischen die wirtschaftlichen Säulen einer ökologisch nachhaltigen und sozial verträglichen Gemeindeentwicklung. 1995 wurde Brodowin für sein Engagement mit dem TAT-Orte Preis ausgezeichnet. Bis heute hat sich Brodowin sein Engagement bewahren können und kann auch überregional auf einen hohen Bekanntheitsgrad verweisen. Ausschlaggebend für den Erfolg Brodowins ist neben ökologischer Landwirtschaft und Vermarktung der Produkte auch die Bewahrung einer ungewöhnlich schönen Landschaft im Choriner Endmoränenbogen.
Nach Beschluss des Masterplanes Stoffstrommanagement des Landkreises Barnim im April 2008 trat der Bürgervertreter und die Geschäftsführung des im Ort ansässigen Landwirtschaftlichen Betriebes auf den Landkreis zu, mit der Interessenbekundung, sich dem Thema Bioenergiedorf Brodowin zu stellen.
Untersuchungsstand
Juli 2009
Potenzialanalyse Holz: Bis Juli 2009 wurde eine Studie erarbeitet, die das langfristige Vorhandensein von Holz in der Gemarkung Brodowin nachweist.
April 2009
Machbarkeitsstudie: Erarbeitung eines umsetzbaren technischen Konzeptes für die energetische Vollversorgung des Dorfes Brodowin
August 2008
Masterarbeit: Brodowin - Bewertung der Voraussetzungen zur Etablierung eines Bioenergiedorfes
Ergebnisse: Theoretisch erfüllt Brodowin wichtige Voraussetzungen, um seine Energieversorgung in Eigenregie zu betreiben. Theoretisch reichen die zur Verfügung stehenden Potenziale aus, den gesamten Strom- und Wärmebedarf der Brodowiner zu decken. Eine abschließende Bewertung der Umsetzungseignung dezidierter technischer Konzepte konnte im Rahmen der Arbeit nicht gegeben werden.
Bürgerbeteiligung
1. Bürgerversammlung in Brodowin (4.2.2009)
Vorstellung des Konzeptes „Bioenergiedorf“ am Beispiel Jühnde. Vorstellung der Ergebnisse aus der Masterarbeit.
2. Bürgerversammlung in Brodowin (22.4.2009)
Endpräsentation der Machbarkeitsstudie. Vorstellung der Versorgungsvarianten.
Umfrage: Wie kommt die Idee bei den Bürgern an? Wer kann sich vorstellen die Idee personell zu unterstützen? Als Tendenz der Umfrage kann eine positive Einstellung dem Projekt gegenüber festgehalten werden sowie vorhandenes Engagement, die weiteren Schritte in Richtung Umsetzung auch personell zu unterstützen.
3. Bürgerversammlung in Brodowin(10.6.2009)
Information der BürgerInnen über den aktuellen Projektstand,
Gründung eines Arbeitsgremiums, welches nächste Schritte auf dem Weg zur energetischen Umstellung übernimmt.
Kontakt
Ökodorf Brodowin Landschaft e.V.
Peter Krentz (Vorsitzender)
Tel.: 033362-264
Regionalbüro Barnim
Ina Bassin
Tel.: 03334-498 532
Mail: ina.bassin@erneuerbar.barnim.de
Auf Anfrage kann das Gutachten im Regionalbüro Barnim oder in der Gemeinde Brodowin eingesehen werden.







